Bernina-Express - Von Chur zum Albulatunnel
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Chur, die Hauptstadt des Kantons Graubünden, gleichzeitig die älteste Stadt der Schweiz, ist Ausgangspunkt der Fahrt mit dem Bernina-Express. Seit 2007 fahren wir regelmäßig den Bernina Express von Chur nach Tirano und genießen dabei die einmalige Streckenführung und die vorbeiziehende Landschaft. Es gibt für uns zwei besondere Jahreszeiten für die Fahrt mit dem Bernina Express - den Frühling und den Winter. Hier kommt der ganz besondere Reiz der Strecke zur Geltung. Die Bilder für diesen Reisebericht haben wir aus den verschiedenen Fahrten zusammengestellt. Der Bernina-Express der Rhätischen Bahn startet in Chur in westlicher Richtung nach Tirano in Italien. Die Strecke führt vorbei an Reichenau-Tamins, wo sich der Vorder- und Hinterrhein vereinigt über Thusis, wo dann die Albulastrecke beginnt über Tiefencastel, Filisur, Bergün über die Albula-Viadukte bis nach Preda zum Albulatunnel. Nach der Durchfahrt des 6 km langen Albulatunnels erreichen wir dann das Engadin. Mehr dazu dann im Verlaufe dieses Reiseberichtes. Der Bernina-Express verkehrt seit Sommer 2000 ganzjährig.

 

 
Nachdem der Bernina-Express Chur in westlicher Richtung verlassen hat, erhebt sich zur Rechten der massige Calanda. Vorbei an der Industriezone von Chur fährt der Zug auf das Dorf Felsberg zu. Bei Domat/Ems kann man die sogenannten "Tumas" sehen, Überreste prähistorischer Bergstürze. Nachdem das größte Industrieunternehmen der Region, die Emser Werke passiert wurde, folgt die Station Reichenau/Tamins. Hier vereinigen sich der Hinterrhein und der Vorderrhein. Über eine Stahlbrücke wird der Rhein überquert. Gegenüber der Station Reichenau befindet sich das Schloss Reichenau. Kurz nach Reichenau öffnet sich das breite Tal des Domleschg. Sehenswert ist das Schloss Ortenstein.

 

 
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Unmittelbar nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Reichenau-Tamins überqueren wir den Zusammenfluss von Vorderrhein (aus dem Tomasee im Oberalpmassiv) und Hinterrhein (vom Rheinwaldhorn) auf der Hinterrheinbrücke. Erbaut 1895 verstärkt 1959. Diese hat eine Länge von 151 Meter und wiegt 235 Tonnen. Vor dem Schloss Reichenau vereinigt sich der Vorder - und Hinterrhein. Von hier sind es über 1200 Kilometer bis zur Nordsee. In Reichenau-Tamins teilt sich die Strecke. Der Bernina Express fährt Richtung Süden ins Engadin, der Glacier Express fährt unter der RhB durch die imposante Rheinschlucht in Richtung Disentis.

 

 
Wir folgen nun der Linie in südlicher Richtung und fahren Richtung Engadin. Vorbei an Bonaduz erreichen wir Rhäzüns. Rhäzünser ist ein berühmtes Schweizer Mineralwasser aus den Mineralquellen in Rhäzüns. Diese Quelle wurde 1797 erstmals erwähnt. 1892 wurde die Rhätische Heilquellen AG gegründet. 1998 übernahm die Feldschlösschen Gruppe die Mehrheitsbeteiligung. Danach durchfahren wir das Domleschg mit interessanten Burgen und Schlössern am Rande der Bahnlinie. Die Fahrt erfolgt auf einem Bahndamm entlang des Hinterrheins. Nun erreichen wir den Bahnhof Thusis auf 697 m.ü.M. Hier kann man die Schlucht Viamala besichtigen. Thusis ist der Ausgangspunkt der Albulastrecke, die von Thusis seit 1904 bis nach St. Moritz führt. Am 7. Juli 2008 wurde die Albula- und die Berninabahn in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. 

 

 
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Nach dem kleinen Bahnhof Solis, ca. 8 km von Thusis entfernt, überquert der Zug die "Wilde" Albula ein erstes Mal auf dem 89 Meter hohen Solis Viadukt. Der Viadukt ist die höchste Brücke, gleichzeitig die Brücke mit der größten Spannweite der Rhätischen Bahn und 164 Meter lang. Wir befinden uns nun schon auf 863 m.ü.M. Im Prinzip gibt es "3" Solis Brücken. Die alte Viaduktbrücke, die neue und die Autobrücke. Unmittelbar neben dem Viadukt gibt es ein kleines Restaurant. Der Stop am Solis Viadukt ist ein absolutes Muss. Hier hat man einen sehr schönen Blick auf die vorbeifahrenden Züge der RhB. Der alte Viadukt ist in Fahrtrichtung Tiefencastel rechts zu sehen.
 

 
Das Solis Viadukt ist bei allen Fotofreunden der RhB ein beliebter "Spotterpunkt". Seit wir den Bahnhof Thusis verlassen haben, befindet sich der Bernina Express auf der Albulabahn. Der Bau der Albulastrecke wurde 1898 begonnen, die Eröffnung fand 1903 statt. 1904 wurde die Strecke bis nach St. Moritz verlängert. Die Albula entspringt am Albulapass. In Bergün wird die Albula über einen Druckstollen nach Filisur zu den Albula-Landwasser Kraftwerken geführt. Am 7. Juli 2008 wurden die Albula- und die Berninabahn in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. 

 

 
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Nachdem wir das Solis Viadukt überfahren haben, steht als nächste Station Tiefencastel im Fahrplan. Hier leben rund 300 Einwohner. Dank seiner verkehrsgünstigen Lage ist Tiefencastel der ideale Ausgangspunkt für unvergessliche Ausflüge. Das Bahnhofsgebäude war früher mit Blumen geschmückt. Alte Bilder belegen dies. Heute wirkt der Bahnhof eher trist. Auch hier hat der Rotstift zugeschlagen. Das alles überragende Bauwerk in Tiefencastel ist die von 1650 bis 1652 erbaute barocke Stefanskirche. Der Bahnhof wurde zwischen 1988 und 1992 grundlegend modernisiert.  Der Ort liegt am Fusse der Alpenpässe Albula und Julier und liegt auf 851 m.ü.M. Von hier aus geht es Richtung Julierpass und St. Moritz, nach Chur, nach Lenzerheide, Richtung Filisur, Bergün, Preda und Albulapass. 

 

 
Nach einer kurzen Steigung kurz nach Tiefencastel erreicht der Bernina Express das Dorf Surava. Der Bahnhof ist schon seit Jahren stillgelegt. Danach folgt Alvaneu mit einem wunderschönen Thermalbad und im Anschluss daran fährt der Bernina Express einem weiteren Höhepunkt der Reise entgegen. Wir werden das 35 Meter hohe und 137 Meter lange Schmittentobelviadukt und danach das 65 Meter hohe Landwasserviadukt passieren um anschließend im "Bahn-Mekka" Filisur einzufahren.

 

 
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Kurz nach dem überqueren des Schmittentobelviadukts erreicht der Bernina Express einen besonderen Höhepunkt der Reise. Nur noch getrennt durch den 27 Meter langen Zalaint Tunnel fährt er direkt auf das Landwasserviadukt auf. Oberhalb des Zalaint Tunnels aber auch auf der gegenüberliegenden Seite gibt es spezielle Aussichtsplattformen von wo aus man einen freien Blick auf das Landwasserviadukt genießen kann. 2009 wurde das Landwasserviadukt in RhB rot gehüllt. Nachfolgend können Sie einige Bilder aus dieser Zeit sehen.

 

 
2009 wurde das Landwasserviadukt in RhB rot gehüllt. Umfangreiche Renovierungsarbeiten sind 106 Jahre nach der Fertigstellung am Viadukt und am Gleisbett notwendig geworden. Die Renovierung fand im Schichtbetrieb rund um die Uhr statt. Vom Bahnhof Filisur führt ein Wanderweg (ca.20 Minuten) zum Landwasserviadukt und gibt die Sicht frei von oben. Wir befinden uns nun auf 1.048 m.ü.M. Der Viadukt ist 136 Meter lang und mündet in den 200 Meter langen Landwassertunnel.

 

 
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Nachdem das Landwasserviadukt überquert wurde, fährt der Bernina Express durch den Landwassertunnel und kommt kurz darauf am Bahnhof in Filisur an. Der Bahnhof liegt oberhalb des Dorfes auf einem Plateau und besitzt noch ein funktionierendes Leutwerk mit welchem die ankommenden Züge angekündigt werden. Bei Bahnfreunden und Fotografen ist Filisur weltweit bekannt. Hier gibt es genügend Motive von den Zügen der RhB, die ins richtige Licht gerückt werden wollen.  In Filisur zweigt die Strecke nach Davos ab, die 2009 das 100 jährige Jubiläum feiern durfte. Der Bahnhof Filisur besteht seit 1903. Seit 1909 ist er Abzweigstation der Strecke nach Davos. 2003 wurde der Bahnhof komplett überholt und von 4 auf 3 Gleise reduziert. Dadurch war der Bau einer Fussgängerunterführung und des Überbaus zwischen Gleis 2 und 3 möglich. 

 

 
Direkt neben dem Bahnhof befindet sich ein Hotel. Es dürfte wohl das einzige Hotel sein, bei welchem die Zimmer zur Nordseite teurer verkauft werden können als die Zimmer zur Sonnenseite Richtung Filisur. Der Bahnhof Filisur ist der ideale Standort für die vielen Fotografen, die Jahr für Jahr entlang der Albula- und Berninastrecke unterwegs sind, um die RhB ins richtige Licht zu rücken. Da Filisur einen Verkehrsknotenpunkt darstellt und hier 2 Strecken aufeinander treffen, gibt es genügend Fotomotive für jeden. Der Bahnhof beinhaltet ein kleines Selbstbedienungsrestaurant. 

 

 
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Bergün ist ein typisches Dorf. Rechts und links der Hauptstraße stehen Häuser im Engadiner Stil aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Bergün am Fusse des Albulapasses auf 1.376 m ü. M. gelegen. Das Gemeindegebiet ist mehr als fünf Mal grösser als die Stadt Chur. Bergün lädt ein zum Wandern im Sommer und zum Skifahren-/ Schlitteln im Winter. Ein besonderes Erlebnis ist die Schlittelbahn im Winter. Von Preda nach Bergün führt die erste beleuchtete sechs Kilometer lange Schlittelbahn der Schweiz. Dort wartet bereits die Rhätische Bahn um die Unersättlichen nochmals zum Start nach Preda zu bringen. Für Eisenbahnfreunde ist Bergün deshalb interessant, weil die Linienführung der Albulabahn mit den vielen Viadukten und den Kehrtunnels sehr schöne Fotomotive bietet. Am Bahnhof Bergün steht seit Jahren ein Rhätisches Krokodil eine Ge6/6 I 407 als Denkmal. 

 

 
Zwischen Bergün und Preda wird auf 12,6 Kilometer Streckenlänge insgesamt ein Höhenunterschied von über 416 m überwunden. Die Entfernung per Luftlinie beträgt jedoch nur 6,5 km und steigt dabei aber um 416 Höhenmeter von Bergün auf 1.367 m.ü.M. auf 1.792 m.ü.M. bei Preda an. Die Strecke musste im Albulatal künstlich mittels Viadukten, Kehr- und Spiraltunnels auf 12 Kilometer verlängert werden. Zahnradabschnitte wurden vermieden. Vor dem Bau des Albulatunnels standen in Preda nur ein paar Hütten. Während der Bauzeit hielten sich jedoch über 600 Einwohner in einem Barackendorf auf. Die Gebirgsstrecke der Albulabahn ist ein absolutes Muss für jeden Bahnbegeisterten.

 

 
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416 Meter Höhenunterschied liegen zwischen Bergün und Preda. Dafür musste die Strecke künstlich ausgeweitet werden und verfügt deshalb über Spiraltunnels, weitere Viadukte (Albula I, Albula II, Albula III und den Rugnux-Lehnenviadukt. Die Strecke zwischen Bergün und Preda genießt heute Weltruhm. Zur Sicherung der Strecke wurden Verbauungen bis auf eine Höhe von 2.300 m.ü.M. errichtet. Nach Bergün erreicht der Bernina Express die nicht mehr besetzte Station Muot auf 1.575 m.ü.M. Anschließend ca. 500 Meter nach Muot überfahren wir den Albulaviadukt I auf 1.596 m. ü.M. Länge 59 Meter, Höhe 11 Meter. Dann erreichen wir den Rugnux-Lehnenviadukt auf 1.597 m.ü.M. In diesem Tunnel schraubt sich der Bernina Express das erste Mal im Berg in die Höhe. Wegen den Vereisungen im Winter ist der Tunnel mit automatischen Toren versehen.

 

 
Danach überfahren wir den Albulaviadukt II auf 1.636 m.ü.M. Der Viadukt ist 95 Meter lang und 29 Meter hoch. Dann stehen 3 Kehrtunnels an. Der mittlere - der Touatunnel ist 677 Meter lang. Darüber liegt im Berg der Zuondratunnel. Anschließend daran wird der Albulaviadukt III auf 1.677 m.ü.M. überfahren. Der Albulaviadukt IV liegt bereits auf 1.695 m.ü.M. Danach folgt der Zuondratunnel auf 1.702 m.ü.M. Von dort aus fährt der Bernina Express direkt auf Preda und damit den Albulatunnel zu.